Wie jetzt...?

... in diesem Blog steht der ganze Unsinn, der einer bunten Kuh so einfällt, während sie auf ihrer Weide steht. Hier

gibt es "unspielbare" Szenen aus dem Kaschperltheater, farbenfrohe Streitgespräche zwischen mir und 19 (!) Alter Egos,

jede Menge Kaffeepausen und anderen Quatsch. Kreuz und quer durcheinander und ohne künstlerischen Anspruch.

19.09.17

Die schönen Seiten des Älterwerdens








D'Oma Rosa hod gmoant:
älter wern is nix für Feigling',
aba sie is' fast hundert Jahr alt g'worn...


... und damit kommen wir zu den schönen Seiten des Älterwerdens, denen ich vorhin nachgespürt habe, nachdem ich von Ines Meyrose darauf aufmerksam gemacht wurde.
Mal sehen, da muß es doch ein, zwei coole Sachen geben...

Die beste Sache am Älterwerden ist die zunehmende Gelassenheit. In meiner hauseigenen Sorgenmacherei (im Oberstübchen links, hinter der Denkfabrik) wird schon jetzt weniger gearbeitet als früher.

Natürlich mache ich mir nach wie vor Sorgen, aber ich habe im Lauf der Jahre gelernt, sie so lange von verschiedenen Seiten zu betrachten, bis sie ihren Schrecken verlieren – oder bis es mir schlicht zu lästig wird, mich damit zu befassen.

Nachdem ich eine Reihe von kleinen, mittleren und großen Katastrophen „durch“ habe, versetzt mich so schnell nichts mehr in Panik. Nein, tatsächlich auch der Tod nicht, sofern es sich dabei um meinen eigenen handelt. Der gehört schon immer zu meinem Leben und je älter ich werde, desto weniger fürchte ich ihn. Er weiß das.

Mit dieser wachsenden Gelassenheit verschwindet langsam auch das unangenehme Gefühl, daß ich persönlich an allem schuld bin, was auf diesem Planeten schiefgeht: wegen mir (und weil ich gestern aus Versehen den Biomüll in die Restmülltonne gepackt habe) geht die Welt nicht unter.

Zusammen mit der Gelassenheit wächst mit dem Alter auch das Selbstvertrauen. Ich weiß mittlerweile, was ich kann und ich weiß, wie ich es zum Vorteil aller Beteiligten einsetzen kann – sei es durch körperlichen Einsatz, sei es durch geistigen Beistand. Und wenn ich etwas nicht kann, habe ich keine Angst mehr davor, jemanden um Hilfe zu bitten oder um Rat zu fragen.

Die zweitbeste Sache am Älterwerden ist der Blick auf meine Kinder, der mit jedem Tag meines/ihres Lebens detaillierter wird. Ich habe drei sehr  bemerkenswerte Menschen in die Welt gesetzt, die gerade ihre eigenen Wege finden. Es hat sich gelohnt, ihnen zu helfen, wo es nötig war - und genau so gut war es, sie ihre eigenen Fehler machen zu lassen. Je älter sie werden, desto ruhiger werde ich, was ihre Zukunft angeht. Die kriegen das schon hin, irgendwie. Sie kommen nach mir.

Ebenfalls schön, aber in meinem Fall nicht unbedingt ans Älterwerden gekoppelt, ist eine zunehmende Un-Eitelkeit. Meine Haare werden grau. Na und? Ich bin fast fünfzig, da ist das eben so. Aus meinen Fältchen werden Falten. Na und? Jede einzelne von ihnen habe ich mir verdient – viele durch ärgerliches Stirnrunzeln und besorgtes Hochziehen der Augenbrauen, aber glücklicherweise viel mehr von ihnen durch Lächeln und Lachen. Ich habe keine Bikini-Figur. Na und? Wenn ich mir einen anziehe, ist meine Figur eine Bikini-Figur. (Das mache ich nicht, weil es bescheuert aussieht, aber wenn ich wollte, könnte ich. Und wer das nicht sehen will, muß mal kurz in eine andere Richtung schauen.).

Je älter ich werde, desto dankbarer werde ich – und ich glaube, das ist das wichtigste bei der ganzen Angelegenheit. Ich bin dankbar dafür, wie ich aufwachsen durfte, ich bin dankbar dafür, daß ich so werden konnte, wie ich heute bin, ich bin dankbar dafür, daß ich einen Partner gefunden habe, mit dem ich mittlerweile weit mehr als die Hälfte meines Lebens verbringe und mit dem ich auch den Rest dieser Zeit verbringen werde: wir passen einfach gut zusammen. Ich bin dankbar für mein Umfeld und dankbar dafür, daß ich in einer Gesellschaft leben darf, die mich so leben lässt, wie ich leben möchte.

Gelassenheit und Dankbarkeit: für mich die schönsten Seiten des Alterns.

 
Text für den Grabstein
einer (bunten) Kuh:
Sie fraß ihr letztes Gras,
bevor sie in selbiges biss